Kino

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      Ich war am Sonntag ebenfalls in Tenet. So wie el_drogo verrate ich im Folgenden nicht mehr als in den Trailern.

      Tenet ist ein sehenswerter Film, gerade Fans von Nolan sollten keine Bedenken haben. Wenn man aber die bisherigen Filme von Nolan nicht gemocht hat, wird Tenet eher nicht das Tor zu seinen Werken darstellen, er ist nämlich nicht gerade Perfekt.

      Tenet ist in seinen Gründzügen ein James Bond Film, mitsamt einem perfekten Agenten, einem russischen Bösewicht und seiner hübschen Frau, die dem Helden nicht abgeneigt ist. Praktisch, um den Zuschauern den Einstieg in den Film zu erleichtern, der nicht gerade anspruchslos daher kommt. Mich haben die Klischees aber ein bisschen genervt.
      Mehr als ein bisschen könnte die Plattheit der Charaktere nerven. Den perfekten Protagonisten hab ich schon erwähnt, die meisten anderen Charaktere sind auch nicht vielschichtiger und dementsprechend wenig nimmt es einen mit, wenn sie in Gefahr sind oder schwere Entscheidungen treffen müssen. Ich würde sagen, Tenet ist der "kälteste" Film Nolans. Während die Charaktere und die mit ihnen verbundenen Emotionen etwas im Hintergrund geraten, steht die Veränderung unserer physikalischen Gesetze und die damit verbundene Gedankenspielerei im Vordergrund.
      Bei dem Gedankenexperiment wartet schon das nächste Problem. Der Film erklärt sehr viel und ich persönlich (wie viele andere anscheinend auch) konnte trotzdem nicht mitkommen. Bis in die Finale des Filmes werden Zusammenhänge erklärt und es wird kaum Zeit gelassen, um das Gesagte zu verarbeiten. Wenn mir philosophische Ideen entgangen wären, die beim wiederholten Schauen sich erschließen lassen, wäre es ja kein Problem, ich wusste Zeitweise nichtmal, warum die Hauptcharaktere das taten, was sie gerade taten.

      Trotz der genannten Schwächen war ich die gesamte Vorstellung über gespannt am Sitz gekettet. Woran lag das?
      Der Film hat Audiovisuelle Kraft. Wie gewohnt vermischt Nolan die anspruchsvolle Handlung mit Spektakel. Die wuchtige, aber glaubwürdige Action bietet durch das Spiel mit der Zeit originelle Aufnahmen und ist, sofern man sie gerade kapiert, mit spannender Handlung verbunden. Der Kameramann Hoyte van Hoytema behält bei der Action den Überblick und bietet schöne Bilder in den ruhigen Momenten. Der Soundtrack von Ludwig Göransson besteht zu großen Teilen aus dem tiefen, elektronischen Dröhnen, wie z.B. Hans Zimmer es einsetzt und welches nichts neues mehr ist, meiner Meinung nach aber super funktioniert.
      Die Darsteller leisten allesamt eine gute Arbeit, auch wenn ihre Charaktere nicht besonders vielschichtig sind. Kenneth Branagh gibt dem Bösewicht die nötige Bedrohlichkeit und der Charakter von Robert Pattinson ist ziemlich charismatisch.
      Auch wenn die Ausgangssituation Klischees beinhaltet, ist der Handlungsverlauf originell und spannend. Solange man mitkommt, macht das Mitdenken spaß.

      Fazit:
      Tenet ist zu keinem Zeitpunkt langweilig, bietet interessante Gedankenexperimente, spannende Action und beeindruckende Bilder. Tenet hat aber auch langweilige Charaktere und muss die Handlung ständig erklären. Trotz aller Erklärungen ist es schwer, mit der Handlung mitzukommen und ich frage mich, ob der Film tatsächlich so komplex ist, oder ob er nur nicht schafft, einfacher und eleganter zu erklären. Ich als verwirrter Zuschauer kann das schwer beurteilen. Deswegen gehe ich nächste Woche auch noch mal rein :D

      Hier noch paar interessante Beiträge in der Diskussion um Tenet, die ich mir nach dem Kinobesuch angeschaut habe (Verraten evt. zu viel, wenn man den Film noch nicht gesehen hat):
      Eine sehr kritische Review mit einem Blick auf die gesamte Filmografie Nolans:
      Eine sehr wohlwollende Review mit einem konkreten Interpretationsansatz:
      Eine Review mit paar Fun-Facts zur Entstehung des Filmes:
      Vielen Dank Euch beiden für die ausführlichen Reviews. Darf ich mal ganz praktisch nachhaken, wie Kinos derzeit eingerichtet sind coronatechnisch?
      Gibt es Platzbegrenzungen oder Masken oder beides? Hm, hängt vielleicht (vermutlich) auch vom Bundesland ab.
      I have been despised by better men than you.
      Am besten schaust du beim Kino deiner Wahl nach den Sicherheitsmaßnahmen :)
      Bei mir (Hessen) musste abgesehen von dem eigenen Sitzplatz im gesamten Kino eine Maske getragen werden. Sitze um einen bereits gebuchten Platz herum wurden blockiert, sodass immer mindestens ein Sitzplatz Abstand zu anderen Gästen bestand. Das Kino, in dem ich war, garantiert regelmäßige Lüftung. Außerdem wird dringend empfohlen, Tickets online zu besorgen. Kontaktdaten müssen hinterlegt werden.
      Bei uns war es ähnlich wie bei Erbauer: Man musste vorher reservieren und überall war Maskenpflicht außer am eigenen Sitzplatz.
      Die Sitzreihe war dann je nach Größe der eigenen Gruppe komplett reserviert für die eigene Gruppe oder es waren bestimmt 3 Plätze zwischen der eigenen Gruppe und der nächsten, wenn nicht sogar mehr. Jede zweite Sitzreihe war gesperrt, so dass niemand direkte Vorder- oder Hintermänner hatte.
      >Angst schneidet tiefer als ein Schwert<

      Post was edited 1 time, last by “Alraune” ().

      @Maegwin
      Ich war in Ö im Kino. Dort gab es lustigerweise nur im Foyer eine Maskenpflicht (an die sich gefühlt so ca. die Hälfte der Menschen gehalten haben). Im Kino selbst waren Sitzplätze besetzt wie sonst auch, es wurden keine Sitzplätze zwischen besetzten Sitzplätzen freigehalten. Maskenpflicht gabs auch nicht. In dem Kino in dem ich war, gibt es 4 Reihen "Business Class-Tickets", das sind kleine Sofas mit jeweils zwei Sitzplätzen. Hier ist der Abstand zum nächsten Sofa eigentlich recht gross, sodass auch ein Corona-Sicherheitsabstand eigentlich gewährleistet ist. Hab für mich und meine Begleitung (war diesmal zufällig meine hochbegeisterte Mutter) ebensolche Sofaplätze genommen, jetzt nicht unbedingt wegen Corona, sondern weil ich das halt sonst auch immer mache. Etwas mehr Abstand zu nervigen Mitguckern ist immer vorteilhaft.

      ACHTUNG: nachfolgende Aussagen könnten kleinere Hinweise/SPOILER enthalten, sind aber meiner Meinung nach jetzt nicht unbedingt würdig in SPOILER gepackt zu werden. Falls gewünscht kann ich das immer noch machen.

      @Erbauer
      Lustigerweise habe ich schon vor langer Zeit aufgehört Wolfgang M. Schmitt - Analysen zu gucken, weil ich seine Videos und seine Psychoanalysiererei meist zu aufgesetzt und überkandidelt empfinde. Hättest du das Video nicht gepostet, hätte ich es sicherlich nicht geguckt, weil ich im Normalfall eher selten seine Meinung zu Filmen teile. Ich muss allerdings gestehen, dass ich in diesem Fall seinen Interpretationsansatz ziemlich spannend finde, wenn er womöglich auch hier wieder teilweise mehr "sieht" als eigentlich da ist. Trotzdem teile ich ausnahmsweise fast uneingeschränkt seine Meinung. Vor allem einige seiner Schlussätze finde ich sehr einprägsam. Wir müssen lernen, die Zukunft als etwas zu begreifen, dass schon passiert ist, um in der Gegenwart richtig handeln zu können. Als Vermittler zu ebendieser Zukunft setzt Nolan Brannagh als vermeintlich plumpen eindimensionalen (einfach ultraböse und sonst nix) Bösewicht ein, was aber nicht als Schwäche anzusehen sondern absolut auf den Punkt gebracht ist, denn- wir können mit der Zukunft nicht verhandeln, die Zukunft kommt unerbittlich und grausam auf uns zu ob wir wollen oder nicht. Ebenso unerbittlich und grausam muss folgerichtig auch der Bösewicht sein. Aus meiner Sicht hätte Tenet zu keinem treffenderen Zeitpunkt in die Kinos kommen können. Die Zukunft wird sich unweigerlich an uns rächen, wenn wir so weiter machen wie bisher. Und die Menschen die jetzt (bspw. hinsichtlich Corona und Klima-/ Umweltschutz etc.) zum Handeln aufrufen ernten keinen Ruhm dafür, sondern sind stattdessen permanenten Konflikten ausgesetzt die aus Unwissenheit und Unverständnis resultieren. Auch der Protagonist hat zunächst (wie wir als Zuschauer) mit Unverständnis und Unwissenheit zu kämpfen und muss sich das Puzzle das ihn zur Rettung der Welt führt mühsam zusammensetzen.

      Mit der Kritik von Nerdkultur tue ich mich etwas schwer. Es wirkt auf mich als wäre das Video schon vor dem Tenet - Kinostart abgedreht gewesen, und jetzt präsentiert er uns halt seine seit ewigen Zeiten vorgefertigte Meinung zu Nolan. Im direkten Vergleich zu Schmitt ist das Problem bei seiner Einschätzung, dass er Nolans Filme generell nur sehr obeflächlich zu betrachten scheint. Er hangelt sich an irgendwelchen Konventionen und Erzählstrukturen entlang und attestiert dann Nolan eben diesen und jenen Fehler, ignoriert dabei aber, das hinter allem eine Absicht steckt. Infolge macht er sich dann nicht mehr die Mühe diese Absicht zu Entschlüsseln und den tieferen Sinn zu begreifen.
      Zum Expositionsdumping, dass er ihm auch hier wieder vorwirft, kann ich eigentlich nicht viel sagen- aus meiner Sicht sind Erklärdialoge und Szenen wirklich aufs Minimum reduziert. Nolan hält seine Zuschauer nicht für zu wenig schlau (wie es ihm Nerdkultur attestiert), sondern eben für normal denkende Menschen. Der Zuschauer geht in Tenet mit dem Protagonisten auf die Reise, welcher einen konventionell denkenden Menschen repräsentiert. Er ist unser alleiniger Ankerpunkt. Und eben wie uns, geht es auch dem Protagonisten sehr häufig augenscheinlich so, dass er das, was gerade geschieht/geschehen ist/geschehen wird, oft nur schwer begreifen kann. Trotzdem hangelt er sich durch das Geschehen und alles was ihm die Kraft gibt weiter zu machen sind seine Überzeugungen. Er muss nicht alles begreifen, dass einzige was zählt ist im hier und jetzt das richtige zu tun. An einer sehr frühen Stelle im Film sagt die Wissenschaftlerin zum Protagonisten "versuchen Sie es nicht zu begreifen, versuchen Sie es zu fühlen". Diese zunächst unscheinbare Aussage ist von entscheidender Bedeutung für den ganzen Verlauf der Geschichte. Das alles ist für Nerdkultur offenbar nicht wirklich greifbar und deshalb scheitert er schon an der Basis seiner Bewertung. Das er häufig in zu konventionellen Strukturen denkt fällt bei den meisten seiner Videos auf, vor allem auch bei seinen (zum Teil wirklich gelungenen) GoT - Reviews. Bei konventionellen Geschichten ist sowas ja auch vollkommen Ok, aber wenn man mal etwas tiefer graben müsste wird's für ihn offenbar immer etwas tricky.
      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.

      Post was edited 6 times, last by “el_drogo” ().

      Die Kurvendiskussion oder als Unterabteilung die Ableitung von Funktionen ist weiß Gott kein Hexenwerk. Hätten alle Mathematiker der Welt jedoch nur 60 Minuten Analysis in ihrem Leben gehört, würden die meisten aber vermutlich an der Kurvendiskussion verzweifeln. So ähnlich fühlt man sich wohl bei manchen Filmen Nolans, der insofern m.E. sehr viel Potential verschenkt.
      Danke für Eure Infos!

      Hab für mich und meine Begleitung (war diesmal zufällig meine hochbegeisterte Mutter) ebensolche Sofaplätze genommen, jetzt nicht unbedingt wegen Corona, sondern weil ich das halt sonst auch immer mache.


      Für mich gibt halt es immer Nachos mit Käsedip, sonst ist es irgendwie kein Kino. Hab mir schon Sorgen gemacht, wie das mit Maske funktionieren soll. :(
      Aber das mit den Abstandsregelungen bei Erbauer und Alraune liest sich ja recht vernünftig, wird bei uns dann hoffentlich ähnlich sein.

      PS: Ja, ist in unserem Kino auch so - am Sitzplatz keine Maske mehr, sonst überall.
      I have been despised by better men than you.

      Ser Durne wrote:

      Die Kurvendiskussion oder als Unterabteilung die Ableitung von Funktionen ist weiß Gott kein Hexenwerk. Hätten alle Mathematiker der Welt jedoch nur 60 Minuten Analysis in ihrem Leben gehört, würden die meisten aber vermutlich an der Kurvendiskussion verzweifeln. So ähnlich fühlt man sich wohl bei manchen Filmen Nolans, der insofern m.E. sehr viel Potential verschenkt.

      Das sehe ich nicht so. Average Joe ist kein Mathematiker, hat folglich auch keine Ahnung von Kurvendiskussionen und sie sind ihm auch eher shice egal. Nolan schafft es hingegen Häppchen davon in seinen Filmen so geschickt einzusträuen, dass sich der Zuschauer quasi dazu genötigt fühlt, die Zusammenhänge besser verstehen zu wollen, weshalb sich in ihm auch das dringende Verlangen aufbaut, den Film schnellst möglich ein zweites oder drittes mal zu begutachten, oder sich zusätzlich selbst in die Materie einzulesen (siehe Erbauer, meiner selbst und es bestätigt sich auch in den vielen Reviews, die ich mittlerweile gesehen/gelesen habe). Mich würde es bspw. nicht wundern, wenn sich nach dem Kinobesuch von Tenet viele bei Dr. Google über Begriffe wie Entropie, Inversion etc. informiert haben, ebenso wie damals als sich nach Interstellar auf einmal viel mehr Leute für das Raumzeitgefüge, Gravitation und die Zeit selbst interessiert haben.
      Klar gibt es auch immer jene, denen sowas zu kompliziert / zu doof / zu unsinnig ist und die deshalb den Film nach dem ersten Kinobesuch abhaken oder noch während dessen aufstehen und den Saal verlassen. Das sind aber dann auch meisst Leute der Kategorie "wann kommt endlich der nächste Fast & Furious Teil raus" und auf die filmwissenschaftliche Meinung dieser Leute gebe ich nunmal sehr wenig, auch wenn ich ihnen den Spass an solchen Filmen weiss Gott nicht vermiessen möchte, ich guck sowas ja selbst gelegentlich.
      Am Ende ist Nolan in seinen Filmen immer gezwungen den Spagat zu machen zwischen nicht allzu arg den Erklärbär spielen (was vor allem dem Akademiker und/oder Filmwissenschaftler so vorkommen wird), aber dennoch zumindest so viele Informationen fliessen zu lassen, dass auch Average Joe die Chance bekommt sich an dem filmischen Konstrukt zu erfreuen, ohne sich dabei all zu dumm vor zu kommen. So oder so, wird es immer zwei Lager geben und viele dazwischen.
      Wie ich schon schrieb ist das Pacing in Tenet wirklich extrem hoch, weshalb ich hier auch tatsächlich meine Bedenken habe, dass viele genervt/überfrodert sein könnten und der Film dadurch am Box Office nicht belohnt werden wird.
      Das ändert für mich persönlich allerdings nichts an seiner Meisterhaftigkeit, imo bräuchte es viel öfter solche Filme, damit das Publikum gefordert und die Qualität des Aciton-Kinos irgendwann nachhaltiger angehoben wird. Nolan hat vor allem das Problem, dass er mittlerweile ein so hohes Niveau erreicht hat, dass bei ihm an Stellen das Haar in der Suppe gesucht wird, wo man bei anderen Machwerken schon längst gar nicht mehr Ausschau hält. Letzthin liegts somit halt einfach auch zum Teil an der hohen Erwartungshaltung, dass bei ihm immer wieder von verschenktem Potential, lieblosen Charakteren, Expositionsdumping etc. die Rede ist. Die letzten Mission Impossible - Filme und einige der Craig Bonds fand ich zum Beispiel als reine Unterhaltungs-Actioner wirklich sehr gut, sie haben allerdings auch keinerlei Anspruch darüber hinaus, daher ist für mich die Messlatte auch eine ganz andere. Hm, ich glaube das war jetzt eine ziemlich lange Antwort in Anbetracht deines kurzen Einwurfs 8o . Aber egal. Ich sag's nochmal, guckt euch den Film an!

      @Maegwin
      Ungesundes Futter gehört beim Kinobesuch auch bei mir absolut verpflichtend mit dazu. :)
      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.

      Post was edited 3 times, last by “el_drogo” ().

      @el_drogo
      Jetzt bin ich aber etwas enttäuscht, dass du die Kurvendiskussion für bare Münze genommen hast. ;)
      Nein, sie ist natürlich eine Metapher dafür, dem "notwendigen" Verständnis für ein Thema in einem gegebenen Zeitraum (Film 120 min.) eine Chance einzuräumen, resp. genügend Luft zum Atmen zu geben. Nach Verlassen des Kinosaals sollte sich m.E. also kein "dringendes Verlangen aufbauen, den Film schnellst möglich ein zweites oder drittes mal zu begutachten", weil sich beim Zuschauer Lücken im Plot durch etwa erhöhtes Pacing ergeben und er dadurch den roten Faden für die Zusammenhänge verliert.
      Der Interessent als Leser eines Romans der den gleichen Stoff behandelt, hat dahingehend sehr viel mehr Zeit, sich mit der komplexen "Abfolge" auseinanderzusetzen.
      In beiden Fällen (Kino, Roman) spricht sicherlich nichts dagegen, sich durch besagte Google-Recherchen (gerne auch im Nachgang zum Kino) zum Hintergrund per se etwas zu informieren.

      Post was edited 2 times, last by “Ser Durne” ().

      @el_drogo
      Da stimme ich dir generell zu.
      Für mich wird es allerdings zum Problem, wenn Nolan wie bei Interstellar versucht, seine Fiktion mit Wissenschaft zu erklären, bzw so tut, als ob er etwas zeigt, was so möglich wäre, bzw real wäre.
      Inception fand ich super. Da ist von vorherhein klar, dass ist erstmal alles Quatsch und da kann er mir dann in seinem Rahmen auch erzählen was er will.

      Bei Interstellar ist es bei vielen Sachen ähnlich und auch das kann ich so akzeptieren. Was mich aber heute noch jedes mal stört, ist der Quark mit der Landung auf dem Wasserplanet und der Zeitdilatation. Dieser Effekt ist gerade Sci-Fi-Fans zu bekannt und in der Theorie zu oft erklärt. Das alberne 2D Bild mit dem schwarzen loch auf der einen Seite des Planeten und dem Anflug von der anderen Seite, macht es noch schlimmer.

      Ser Durne wrote:

      @el_drogo
      Nein, sie ist natürlich eine Metapher dafür, dem "notwendigen" Verständnis für ein Thema in einem gegebenen Zeitraum (Film 120 min.) eine Chance einzuräumen, resp. genügend Luft zum Atmen zu geben.

      Das war mir durchaus klar, ich blieb einfach mal bei deinem Beispiel. :)

      Ser Durne wrote:

      Nach Verlassen des Kinosaals sollte sich m.E. also kein "dringendes Verlangen aufbauen, den Film schnellst möglich ein zweites oder drittes mal zu begutachten", weil sich beim Zuschauer Lücken im Plot durch etwa erhöhtes Pacing ergeben und er dadurch den roten Faden für die Zusammenhänge verliert.

      Ich persönlich verstehe es als grosses Kompliment für jeden Film, wenn man ihn nach Erstsichtung ein zweites / drittes / viertes mal sehen möchte, aber das kann jeder sehen, wie er mag. Bei Tenet etwa geht es mir persönlich dabei jetzt auch nicht darum, irgendwelche Plot-Lücken zu schliessen, sondern viel eher, das künstlerische Werk in seiner gesamten Komplexität zu erfassen.
      Ich weiss nicht ob du irgendwelche David Lynch - Filme kennst, aber z.B. über Mullholland Drive wurden schier endlose Detail-Diskussionen geführt und ich bin überzeugt, dass viele die den Film "entschlüsselt" zu haben glauben, ihn sich vermutlich 100 mal, wenn nicht gar öfter angeguckt haben. Dabei will Lynch seine Zuschauer jedoch nicht verarschen, sondern einfach bewusst herausfordern. Das selbe macht Nolan, nur eben auf einem sehr viel niedrigeren Niveau, schliesslich bewegt er sich ja immer noch im Action-/ Blockbuster - Metier. Nun kann der Zuschauer ihm das natürlich zum Vorwurf machen, so auf die Probe gestellt zu werden, aber naja... glaub dazu muss ich nichts mehr sagen. Dann lieber in den nächsten Dwayne Johnson - Film.

      Ajantis wrote:

      @el_drogo
      Was mich aber heute noch jedes mal stört, ist der Quark mit der Landung auf dem Wasserplanet und der Zeitdilatation.

      Das müsstest du mir jetzt doch etwas genauer erklären. Was genau daran ist Quark? Der Planet befindet sich so nahe am schwarzen Loch, dass für den Beobachter dort die Zeit langsamer vergeht als auf der Erde, jedoch noch ausserhalb des Ereignishorizonts, sodass er betreten und ebenso wieder verlassen werden kann. Grundphysikalisch ist das durchaus plausibel, über irgendwelche Details oder technologischen Probleme kann man freilich streiten, jedoch bewegt sich Nolan hier durchaus noch im Rahmen der künstlerischen Freiheiten, die ein solcher Film erfordert. In Frage stellen könnte man meiner Ansicht nach höchstens, warum man sich trotz aller (vor allem zeit-technischen) Risiken bewusst dazu entscheiden hat, zuerst auf diesem Planeten zu landen. Aber das Phänomen an sich wurde in seinen Grundzügen nicht falsch erklärt oder dargestellt.
      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.

      Post was edited 1 time, last by “el_drogo” ().

      el_drogo wrote:

      Das müsstest du mir jetzt doch etwas genauer erklären

      Wenn der Zeitunterschied nur zur Erde wäre, könnte man es erklären ja.
      Aber der Zeitunterschied ist ja schon zum "Mutterschiff" in der Umlaufbahn.
      Die sind in deren Logik also in die Umlaufbahn des Planeten eingetreten (ohne ihn zu umrunden, denn sonst wären sie ja schon zu nah dran am Schwarzen Loch, wie auch immer DAS geht) und die "paar Meter" von der Umlaufbahn (wo die Zeitachse quasi noch die selbe ist wie auf der Erde), zur Planetenoberfläche soll dann diese extreme Zeitdilatation verursachen, weil "auf der anderen Seite des Planten" das Schwarze Loch lauert? Nie im Leben. Da würde es den Planeten zerreißen so nah am schwarzen Loch. Der Planet darf sich bei der ganzen Story btw auch nicht drehen. Wie dann in dem Planetensystem noch eine Sonne scheinen kann, frag ich gar nicht mehr.

      Ajantis wrote:

      Wenn der Zeitunterschied nur zur Erde wäre, könnte man es erklären ja.
      Aber der Zeitunterschied ist ja schon zum "Mutterschiff" in der Umlaufbahn.
      Die sind in deren Logik also in die Umlaufbahn des Planeten eingetreten (ohne ihn zu umrunden, denn sonst wären sie ja schon zu nah dran am Schwarzen Loch, wie auch immer DAS geht) und die "paar Meter" von der Umlaufbahn (wo die Zeitachse quasi noch die selbe ist wie auf der Erde), zur Planetenoberfläche soll dann diese extreme Zeitdilatation verursachen, weil "auf der anderen Seite des Planten" das Schwarze Loch lauert? Nie im Leben. Da würde es den Planeten zerreißen so nah am schwarzen Loch. Der Planet darf sich bei der ganzen Story btw auch nicht drehen. Wie dann in dem Planetensystem noch eine Sonne scheinen kann, frag ich gar nicht mehr.

      Naja, ich kann deine Kompetenzen auf dem Gebiet sehr schlecht einschätzen, aber deine Darlegung klingt in meinen Augen ziemlich schwammig und halt eher so nach "das glaube ich nicht!", als nach berechtigten Zweifeln die auf wissenschaftlichem Fundament stehen. Dagegen lässt sich dann natürlich schwer argumentieren.
      Wie ich schon sagte, aus meiner Sicht ist das Phänomen grundphysikalisch korrekt dargestellt, etwaige Detailfehler bewegen sich im Rahmen der üblichen künstlerischen Freiheiten von Science Fiction Filmen. Ich möchte auch nochmals daran erinnern, dass Physik-Nobelpreisträger Kip Thorne als Berater und ausführender Produzent am Film beteiligt war und noch dazu ein eigenes Buch "The Science of Interstellar" verfasst hat. Dort erfährt man unter vielem Anderen auch die physikalischen Hintergründe des schwarzen Lochs Gargantua und wie die Szenen für den Film berechnet worden sind.
      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.

      el_drogo wrote:

      Ich möchte auch nochmals daran erinnern, dass Physik-Nobelpreisträger Kip Thorne als Berater und ausführender Produzent am Film beteiligt war und noch dazu ein eigenes Buch "The Science of Interstellar" verfasst hat.

      ja genau das meinte ich mit

      Ajantis wrote:

      Für mich wird es allerdings zum Problem, wenn Nolan wie bei Interstellar versucht, seine Fiktion mit Wissenschaft zu erklären, bzw so tut, als ob er etwas zeigt, was so möglich wäre, bzw real wäre.

      Ich bin auch kein Astrophysiker, aber ein schwarzes Loch kann nunmal nicht so funktionieren wie dort gezeigt. Oder alles was ich bisher dazu gesehen und gelesen habe stimmt nicht.
      Wie gesagt, ich meine explizit nicht die ganze Auflösung, mit Liebe und x. Dimension, das ist halt Nolans fiktionales Thema in de Film. Nur sehr vieles davor passt halt auch nicht.

      Ajantis wrote:

      Ich bin auch kein Astrophysiker, aber ein schwarzes Loch kann nunmal nicht so funktionieren wie dort gezeigt. Oder alles was ich bisher dazu gesehen und gelesen habe stimmt nicht.
      Wo endet Wissenschaft, wo fängt das Phantastische - gepaart mit künstl. Freiheit - an. Der Tesserakt oder ähnliche "Konstruktionen" der "weiterentwickelten" Wesen könnten für alle Irritationen oder logischen Un-Möglichkeiten doch durchaus eine Erklärung parat haben.

      Statt durch die Gezeitenkraft des Schwarzen Lochs zerrissen zu werden, finden sie sich in einem riesigen Tesserakt wieder, in dem das Zimmer von Coopers Tochter Murphy im Farmhaus zu sehr vielen verschiedenen Zeitpunkten vorhanden zu sein scheint. Cooper spekuliert, dass der Tesserakt und das Wurmloch nicht von unbestimmten „Wesen“ geschaffen wurden, sondern von Menschen der Zukunft, die sich zu fünfdimensionalen Wesen weiterentwickelt haben und dadurch in der Lage sind, sich nach Belieben durch die Zeit zu bewegen und die Gravitation zu manipulieren.
      de.wikipedia.org/wiki/Interstellar#Handlung

      Post was edited 3 times, last by “Ser Durne” ().

      @Ajantis
      Naja, das Genre heisst ja nicht umsonst, Science-Fiction... :hmm: (also nicht nur Science)

      Ajantis wrote:

      Ich bin auch kein Astrophysiker, aber ein schwarzes Loch kann nunmal nicht so funktionieren wie dort gezeigt.

      Und ich zweifle daran, dass du das beurteilen kannst. Wir dürfen hier nicht vergessen, dass wir uns ganz tief in die Welt der theoretischen Physik begeben müssten, um die Mängel im Detail auf zu dröseln, aber dafür fehlt uns hier sicherlich das Know how. Würdest du jetzt anzweifeln, dass Cooper frei schwebend am Ende in ein schwarzes Loch fliegen und unbeschädigt wieder raus kommen kann, würde ich dir ja zustimmen, denn hier begibt sich Nolan ja ganz eindeutig auf einen sehr spekulativen und fiktionalen Pfad.
      Aber bei dem Thema mit der Zeitdillatation bleibe ich dabei, im Kern ist das alles korrekt dargestellt. Wie gross der Abstand des Raumschiffs (also vom Startpunkt) zum Planeten ist können wir nicht wissen (es dürfte allerdings etwas weiter als die von dir postulierten "paar Meter" sein), ebenso nicht wo sich die Sonne in diesem Planetensystem befindet, oder welche Antriebstechnologie der Gleiter verwendet, was von entscheidender Bedeutung ist. Im Film ist es halt jedenfalls so dargestellt, dass die Astronauten eben dort anhalten, wo sich das Raumschiff noch ausserhalb des Einflussbereichs des schwarzen Lochs befindet, der Planet allerdings schon innerhalb dieser imaginären Linie liegt. Es gibt sehr viele Grössen die wir schlicht nicht kennen, um ein vernünftiges Urteil abgeben zu können, wie wissenschaftlich akkurat das Ganze dargestellt ist. Dazu müssten wir erstmal Thornes Buch und die Berechnungen darin studieren (und vermutlich noch ein paar Jährchen Astrophysik). Und selbst wenn wir dann feststellen würden, dass zumindest im Detail sehr viel Quatsch dabei ist, würde dir das immer noch nicht sehr viel bringen, da ich ja schon längst eingeräumt habe, dass sich Nolan einige künstlerische Freiheiten nimmt, so wie alle anderen Regieseure auch.
      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.
      @Ser Durne Die Sache mit dem Tesserakt am Ende meine ich nicht, das schrieb ich am Ende meines letztes Posts.

      @el_drogo Die Zeitdilatation springt doch aber nicht von 0 auf 1, gerade wenn der Effekt so extrem ist wie im Film, muss er sich doch schon weit vorher aufbauen. Die legen die letzten Meter mit einem Landegleiter hin und tun so, als ob das allein eine xx-fache Verlangsamung der Zeit auslöst.

      Künstlerische Freiheiten und Science-Fiction, ja klar. Hab ich kein Problem mit. Aber dann bitte nicht so tun als ob, mit Physik-Nobelpreisträger Kip Thorne als Berater der noch Buch xy geschrieben hat.
      Denn im Endeffekt ist dann alles Fiktion, die Reise durchs Wurmloch, die Aktion die wir hier gerade diskutieren und die Auflösung mit Tesserakt, Liebe und 5. Dimension

      Post was edited 1 time, last by “Ajantis” ().

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