Kino

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      Alraune wrote:

      The Dragonknight wrote:

      Ich freue mich aber auf den Film zur Serie Downton Abbey, der diese Woche in die Kinos kommt.
      Ich mich auch! :D Werde aber wohl alleine ins Kino gehen. Auch mal schön!


      Ich hab' tatsächlich jemanden gefunden, der ihn mit mir ansehen möchte. :thumbup:
      "Many that live deserve death. And some that die deserve life. Can you give it to them? Then do not be too eager to deal out death in judgement. For even the very wise cannot see all ends.” - J.R.R.T.
      @Narannia Ich kenne im "Reallife" leider niemanden, der Downton Abbey geguckt hat!
      Was ich mehr als Schande für die großartige Serie empfinde, als für mich, da ich echt gerne alleine ins Kino gehe.

      Zu "Joker" werde ich dann allerdings mit einer guten Freundin gehen, habe ich ihr zum Geburtstag geschenkt. :saint:
      >Angst schneidet tiefer als ein Schwert<

      Alraune wrote:

      Ich kenne im "Reallife" leider niemanden, der Downton Abbey geguckt hat!


      Ich bis letzten Freitag auch nicht. Die Freundin, die mit in "Once upon a Time ..." war, blieb da vorm Plakat stehen. Ich wusste bis dahin gar nicht, dass sie die Serie überhaupt gesehen hatte.
      "Many that live deserve death. And some that die deserve life. Can you give it to them? Then do not be too eager to deal out death in judgement. For even the very wise cannot see all ends.” - J.R.R.T.
      Komme grade aus Once Upon A Time In Hollywood und fühlte mich gut unterhalten. Mein Wissen über die Manson Family habe ich vorher nochmal aufgefrischt, was auf keinen Fall geschadet hat. Wäre aber auch wohl so gegangen, weil ich die Geschichte bereits kannte.
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      Deshalb war für mich z.B. auch die Szene mit dem Kinderwagen und den Babyschuhen eine sehr schwere Szene. Mit dem Vorwissen, dass Mutter und Kind in der Realität keinen Tag mehr zu leben hatten, wirkt das gleich anders, während sie ohne Vorwissen einen extrem nebensächlichen Eindruck gemacht haben dürfte.


      Aber el_drogo hat eigentlich schon alles zu dem Film gesagt. Das erspart es mir zu später Stunde noch viel schreiben zu müssen.
      Bei uns im Norden werden die Gesetze der Gastfreundschaft noch immer in Ehren gehalten. ~ Roose Bolton
      Once Upon a Time in Hollywood:
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      Die Manson-Morde geschahen doch, weil die Manson-Familie einen Rassenkrieg auslösen wollten. Deshalb fand ich es etwas weird, dass die Mörder stattdessen davon sprachen, die reichen Stars dafür zu töten, dass sie ihre Generation zu Mördern in Vietnam erzogen haben, was eher halbwegs links klingt. Oder hatte die Manson-Familie wirklich so etwas geglaubt.

      Post was edited 1 time, last by “Lann” ().

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      Linda Kasabian hat sich in der Realität auch nicht mit dem Auto aus dem Staub gemacht. Das ganze Finale soll ja bewusst nichts mit der Realität zu tun haben.

      Mansons Ideologie war sowieso hochgradig wirr. Da kommen auch die Beatles als Engel drin vor und die Morde geschahen, weil die farbige Bevölkerung nicht zu morden anfing, wie Manson es prophezeit hat. Da spielt es auch keine Rolle mehr, wie seine Anhänger das für sie selbst rechtfertigen würden.
      Bei uns im Norden werden die Gesetze der Gastfreundschaft noch immer in Ehren gehalten. ~ Roose Bolton
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      Naja, die Anhänger der Manson-Family waren im Grunde ja nicht viel anderes als mit Drogen vollgepumpte Hippies. C. Manson hat beständig darauf geachtet dass "seine" Leute durchgängig halbwegs im Delirium waren, damit er sie manipulieren und mit seinen verqueren Ideologien indoktrinieren konnte. Vermutlich hatten die meisten von ihnen keine wirklich rassistische Lebenseinstellung, sie taten einfach was ihr Meister ihnen geheissen.
      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.
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      Ich denke auch, dass nach allem was ich über die Mansons weiß, keine wirklich eindeutig einkategorisierbare Ideologien und Tatmotive hinter den Taten stehen. Manson ist ja auch erst nach und nach zu seinen wirren und kruden Theorien gekommen und seine Anhänger waren so zahlreich, dass ich es nicht für ausgeschlossen halte, dass da jeder seine eigene Rechtfertigung so hingedreht hat, wie er sie gerade brauchte.
      So in meinen Augen auch Manson selbst, dem es hauptsächlich um Machtausübung und seine narzisstische Befriedigung ging.
      Kann mich da

      el_drogo wrote:

      Vermutlich hatten die meisten von ihnen keine wirklich rassistische Lebenseinstellung, sie taten einfach was ihr Meister ihnen geheissen.
      nur anschließen.

      Mag natürlich trotzdem sein, dass sich Tarantino bezüglich des Vietnamkriegs Freiheiten genommen hat, halte es aber wie gesagt nicht für abwegig, dass zu jener Zeit in Mansons Hippiefamilie auch so oder so ähnlich gedacht wurde.

      Habe den Film im Übrigen noch gar nicht gesehen (werde ich aber spätestens Dank diesem Thread nachholen), habe mich aber schon des öfteren mit den Mansons beschäftigt, da ich den Fall, wie wohl auch viele viele andere, sehr interessant finde.
      >Angst schneidet tiefer als ein Schwert<
      Ich war gestern in Downton Abbey.
      Vorab ist zu sagen, dass der Film wohl nicht mit den gleichen Maßstäben zu bewerten ist, wie ein "normaler" Kinofilm. Meiner Meinung nach ist die Kenntnis der Serie nämlich zwingend erforderlich und man sollte wohl auch Fan der selbigen sein. Für sich genommen würde ich den Film nämlich deutlich schlechter bewerten als ich es so tue. Um einen Film zu tragen halte ich die Handlung nämlich für nicht spannend genug, klischeebehaftet und teilweise kitschig.
      Aaaaaber es ist ja auch Downton Abbey. :)
      Den Film muss man als ein Special zur Serie sehen, ein Schmankerl für die Fans, in dem sie ihre geliebten Charaktere noch einmal zusammen sehen können. Dabei bekommen fast alle ihre kleine Geschichte innerhalb der großen Geschichte, um noch einmal kurz zur Geltung zu kommen (lediglich Mr. Bates kommt mir diesbezüglich ein wenig zu kurz). Das macht der Film gelungen, das ganze lässt sich aber insgesamt natürlich als eine gehörige Portion sog. Fanservice bezeichnen. Das ist aber nicht schlimm. Natürlich ist die bloße Existenz des Films als Special zu einer eigentlich abgeschlossenen Serie reiner Fanservice (neben monetären Interessen selbstredend).
      Lange Rede, kurzer Sinn: Fans der Serie kommen sicherlich auf ihre Kosten, ansonsten hat man wohl eher weniger Spaß mit dem Film bzw. er könnte etwas langweilig sein.
      "Not every man has it in him to be Prince Aemon the Dragonknight." -Wyman Manderly

      Ceterum censeo Casimirem esse delendum.

      Hildegunda wrote:

      Ich war gestern im Inselkino und habe "The Green Book" gesehen, wobei ich erwartet hatte, dass das titelgebende Buch häufiger vorkommt. Hat mir gut gefallen.


      Den mochte ich auch sehr gerne :)

      Lann wrote:

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      Naja, ich bin etwas verärgert, wenn jetzt gerade rassistische Mörder stattdessen zu Hippies gemacht werden.


      Na ja, ja, mmh, also die Manson Family hat sich selber auf jeden Falls als Hippiekommune gesehen und wurden auch von außen hin so betrachtet. Trotzdem war Manson ein Rassist. Ich finde es auch schade, dass das im Film so einseitig rüberkommt.

      Manson war immer im Glauben, dass ein Rassenkrieg bevorstehen würde, als der aber nicht kam, soll er der Meinung gewesen sein, dass er den Schwarzen zeigen muss, wie man einen Rassenkrieg beginnt. Also ein wirklich absolut irrer Mensch. Er hat ja auch im Beatles Album Botschaften herausgehört, die mit den friedliebenden Beatles gar nicht im Einklang waren.

      Warum die Polanskis aber Opfer wurden macht sogar auf eine wirre Art Sinn. Er wollte sich eigentlich an den Vormietern rächen, aber als die ausgezogen waren, hat er sich dann halt an den Polanskis gerächt. Also ebenfalls total irre. Nur weil sie im Haus gewohnt haben.
      “When the snows fall and the white winds blow, the lone wolf dies but the pack survives.”

      George R.R. Martin,
      A Game of Thrones
      Ich werde mir morgen den Joker im Kino ansehen. Die Spannung stieg in den letzten beiden Wochen ins Unermessliche, aber ich habe es tatsächlich geschafft bis dato absolut spoilerfrei zu bleiben, ich habe noch nicht mal eine leise Ahnung wie der Film bisher bei Kritik und Publikum ankam. War gar nicht so einfach. Zu Hause musste ich immer wenn eine Vorschau im TV kam schnellstens ausm Zimmer eilen oder meine Augen schliessen und Ohren zu halten, selbes galt fürs Büro wenn dazu was im Radio kam, sodass mich meine Arbeitskollegen schon doof deswegen anguckten und auslachten. Ich bin froh, wenn das alles morgen endlich vorbei ist!
      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.
      Du meine Güte, was manche für eine Aufwand betreiben wegen Spoilern :)
      Ich hab inzwischen festgestellt, dass ich vieles entspannter und angenehmer genießen kann wenn ich mich vorher gespoilert habe.

      Der Nachteil ist, dass ich öfters mal, wie z.b. bei Filmen wie dem Joker, den ich gestern gesehen habe, eine zu hoher Erwartungshaltung habe.
      Ja er war anders, er war gut gespielt und gemacht und hat starke Gefühle ausgelöst, aber in Summe hatte ich doch mehr erwartet. Ohne das ich genau nennen könnte was.
      Ja mehr oder weniger.
      Es gibt Filme die funktionieren quasi nur bei 1. Mal schauen. Da bin ich kein Fan von. Ein Film kann in meinen Augen nur richtig gut sein, wenn es auch beim 3., 5. oder 10. mal noch funktioniert, Spaß macht, interessant ist, je nach Genre. Spontan fällt mir da z.b. Sieben oder Fight Club ein, wo das Finale bzw der Twist ein wichtiger Punkt ist, aber die Filme sind auch noch gut beim x. Mal schauen

      Ajantis wrote:

      Der Nachteil ist, dass ich öfters mal, wie z.b. bei Filmen wie dem Joker, den ich gestern gesehen habe, eine zu hoher Erwartungshaltung habe.

      Ganz genau das ist das Problem. Trailer, Teaser, Kurzvorschauen etc. erzeugen bestimmte Bilder und Erwartungen im Kopf um möglichst viel Publikum anzusprechen und ins Kino zu locken. Entsprechend sind sie oft ausserhalb jeglicher Tonalität des eigentlichen Films zusammengeschnitten und vermitteln einen völlig falschen Eindruck (das gilt natürlich nicht für "Meisterwerke" wie Hobbs & Shaw oder Transformers. Das einzige was man bei solchen Filmen gespoilert bekommt sind höchstens die besten Action-Szenen, was aber meist nicht besonders ärgerlich ist, da die Filme eh keinerlei Anspruch haben irgendwas zu erzählen). Bei manchen Filmen ist es mir auch egal gespoilert zu werden bspw. Star Wars etc. aber mit der Zeit habe ich ein Gefühl dafür entwickelt, bei welchen Filmen ich möglichst unvoreingenommen ins Kino gehen möchte, um das Ganze besser auf mich wirken lassen und erfassen zu können. Meine Eindrücke zum Joker werde ich später ausformulieren, ist noch zu früh.
      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.

      Post was edited 1 time, last by “el_drogo” ().

      Naja ich sage es mal anders herum, ohne Trailer, Teaser, Kurzvorschauen und den Aussagen von Filmkritikern denen ich folge und der daraus entstandenen Erwartungshaltung, wäre ich nicht ins Kino gegangen.
      Auf gut Glück in solche Filme gehen, ist mir zu "riskant", zumal ich eh nicht soo oft pro Jahr im Kino bin.
      Hier meine Eindrücke Zum Joker. Ich packe das Ganze vorsichtshalber mal lieber in Spoilertags, auch wenn ich glaube, dass ich grundsätzlich nicht sehr viel essentielles in den Beitrag gepackt habe, was den Filmgenuss einschränken könnte. Möchte mich schon mal vorab entschuldigen, ich hoffe ich habe meine Gedanken nicht zu wirr aneinander gereiht und es sind nicht zu viele Grammatikfehler enthalten. Ist auch ziemlich lange geworden wie ich eben bemerkt habe.

      Show Spoiler
      Ich musste den Film eine Weile auf mich wirken lassen und darüber nachdenken. An dieser Stelle möchte ich nochmal betonen, dass ich so unvoreingenommen wie nur möglich in diesen Film ging. Alles was ich wusste war im Prinzip, dass Joaquin Phoenix den Joker darstellt, diese Information und die Faszination für die Figur selbst hat mir gereicht um ins Kino zu gehen. Mir war nicht mal der Regiesseur des Films bekannt (wobei diese Info bei mir in der Regel schon eine gewichtige Rolle spielt). Jedenfalls gab es dann im Vorspann schon den ersten Überaschungsmoment für mich, als Todd Phillipps als Director genannt wurde. Mein erster Gedanke- «WTF, die holen sich den Typen von Hangover 1-3» um eine Joker Origin-Story zu drehen??». Nun gut, jeder hat eine Chance verdient.

      Ich habe den Film im IMAX gesehen, der Saal war für einen Wochentag auch recht gut gefüllt. Er beginnt mit einer Radio-Sequenz, wo über die Missstände in der Stadt «Gotham City» berichtet wird, gezeigt werden Bilder von verwahrlosten, zugemüllten und düsteren Gegenden. Nach kurzer Zeit wird dann in 10 Meter hohen Lettern der Titel JOKER ins Zelluloid gebrannt, begleitet von einem dröhnenden Kontrabass-Score, worauf eine Überblendung zu Joaquin Phoenix’ Gesicht in Grossaufnahme folgt, welcher gleich zum ersten Mal sein «pathologisches Lachen» präsentieren darf. Fortan gibt es soweit ich es richtig im Kopf habe keine einzige Szene mehr im Film ohne ihn, so viel Screentime hat man als Schauspieler wohl selten zur Verfügung um sein ganzes Können unter Beweiss zu stellen.

      Ich möchte jetzt gar nicht damit anfangen, irgendwelche Vergleiche mit Nicholson, Ledger oder gar Jaret Leto anzustellen, weil ich es schlicht unpassend finde. Der Joker wurde so lange es die Figur gibt immer wieder neu erfunden und ich finde jede Darstellung auf ihre Weise reizvoll und gelungen. Was man höchstens anmerken könnte ist, dass Phoenix’ Joker neben den relativ eindimensionalen Charakterzeichnungen von Nicholson und Co. deutlich ambivalenter und vielseitiger ist, was aber sicherlich auch unter anderem daran liegen mag, dass es sich hier um ein Origin Charakter-Portrait handelt und die Story somit ausschliesslich ihm gewidmet ist. Hier kann ich auch gleich anmerken, dass Phoenix’ Leistung wirklich über jeden Zweifel erhaben ist, ich habe mir auch nicht wirklich was Anderes erwartet. Klar wird es auch hier wieder ein paar ewige Nörgler geben, die ihm Overacting unterstellen und dass sein abgemagerter Körper deutlich zu oft zur Schau gestellt wird etc… Aber imo ist das was er zeigt wirklich ganz ganz grosse und einzigartige Darstellungskunst. Der Film würde mit keinem anderem Schauspieler so funktionieren, da das Drehbuch freilich nicht ganz ohne Mängel ist und die Spannung grösstenteils aus seiner intensiven Darstellung bezogen wird.

      Dies ist kein Unterhaltungsfilm wie andere DC Movies. Wer hier eine unterhaltsame Comic-Schurken Verfilmung mit Pyscho-Thriller Ambitionen erwartet, der wird freilich bitter enttäuscht sein. DC betritt hier völlig neues Terrain. Der Film könnte überall spielen oder auch ganz anders heissen und würde genau so funktionieren. Der Comic-Rahmen tritt nur ganz am Rande zu Tage und ist prinzipiell nebensächlich. Der Film ist unbequem und zäh. Als Zuschauer fühlt man sich permanent unbehaglich, an einigen Stellen hatte ich regelrecht das Gefühl, gleich Magenschmerzen zu bekommen. Was ich aber natürlich nicht als Manko betrachte, im Gegenteil- Kunst darf gerne auch mal unbequem und ungemütlich sein.

      Auch wenn es schon ein Weilchen her ist, sind auch mir spätestens nach einer halben Stunden die starken Reminiszenzen an Taxi Driver, Mean Streets und King of Comedy aufgefallen, daher hat es mich hinterher auch nicht gewundert zu hören, dass Phillips’ grosses Vorbild Scorsese war, und dieser offenbar sogar mal kurz im Gespräch als Regiesseur für den Film war. Tatsächlich geht das Ganze sogar so weit, dass teilweise fast komplette Szenen Tarantino-like kopiert werden, was aber in meinen Augen nicht stört, sondern ihm eine besondere Aura verleiht. Der Charakter von Arthur Flack, so heisst die Figur bevor sie zum Joker wird, wird bis zu seiner endgültigen Wandlung stufenweise demontiert.

      Hier liegen meiner Meinung nach drehbuchtechnisch auch leider die grössten Schwächen vor- die menschlichen Hürden und Steine die ihm in den Weg gelegt werden- vom beruflichen Versagen, den gewaltsamen körperlichen Übergriffen, der labilen und nervenkranken Mutter, den Misshandlungen in seiner Kindheit, die weibliche Nichtbeachtung, seine offenbar krankheitsbedingten Lachanfälle etc… das alles ist einfach zu plakativ und küchenpsychologisch. Es wird wirklich nichts ausgellassen, um auch noch den letzten Zuschauer dahingehend zu
      triggern, dass es unter diesen Umständen «ja wirklich nicht mehr anders kommen konnte». Hier wäre etwas mehr Subtilität und Raum für Überlegungen ähnlich wie beim grossen Vorbild Taxi Driver deutlich besser gewesen.

      Was jetzt aber nicht heissen soll, dass der Film dadurch schlecht wird, er bewegt sich immer noch auf sehr hohem Niveau, macht ihn aber in meinen Augen nicht zum Meisterwerk, obwohl das Potential durchaus da gewesen wäre. Ich kenne keinen Film, in dem man sich dermassen tief und eindringlich im Detail mit einer Charakterentwicklung beschäftigt hat, und wo filmkompositorisch Kamera, Licht und vor allem der Score so perfekt auf diese emotionale Entwicklung abgestimmt sind. Es ist auch wichtig und richtig, dass die Gewalt im Film klar
      und offen gezeigt wird. Flack bemerkt schliesslich erst durch ein bestimmtes Ereignis, dass die Gewalt die einzige Möglichkeit für ihn ist, die Kontrolle über sein Leben zurück zu gewinnen und seiner gescheiterten Persönlichkeit Bedeutung zu verleihen. Dabei geht es aus meiner Sicht eben nicht darum, dass er es der bösen Welt zeigen will (also Rache als typisches Leitmotiv), sondern viel mehr darum, einfach überhaupt wahrgenommen zu werden. Der Joker ist nicht politisch, was er auch über sich selbst klar so formuliert. Er ist ein Produkt seines Umfeldes, er hat im wahrsten Sinne des Wortes nichts mehr zu verlieren und ist daher auch an keine gesellschaftlichen oder moralischen Konventionen mehr gebunden, weshalb er der Gewalt freien Lauf lässt.

      Schön zu sehen war auch, dass die Famillie Wayne mal nicht als die Heilsbringer der Welt dargestellt werden, sondern als das was sie sind- Menschen der ersten Klasse, denen durchaus was daran liegt sich neben wirtschaftlicher auch politische Macht zu sichern (-> die altbekannte Frage: kann Macht jemals unschuldig sein?), das aber nur am Rande.
      Neben der eindringlichen Charakterstudie ist Joker somit nicht zuletzt auch eine zwar recht simpel konstruierte, aber zweckgemässe Milieustudie um Klassengesellschaften, soziale und gesellschaftspolitische Misstände, welche sich in Unzufriedenheit und Hass in der Bevölkerung manifestiert und schliesslich in einer phantastisch anarchistischen Abschlussszene kulminiert.
      Was Joker noch besonders macht ist, obwohl der Zuschauer von der ersten Sekunde an weiss worauf das Ganze hinauslaufen wird (die Prämisse ja klar), gibt es zahlreiche Situationen im Film wo man letztendlich doch überrascht wird weil man eine psychische Explosion erwartet, diese aber dann nicht an besagter Stelle eintritt, sondern eher unverhofft und plötzlich an anderer Stelle kommt. Trotz Drehbuchschwächen spielen Phillipps und Phoenix hier durch Inszenierung und Schauspiel gekonnt mit den Erwartungen der Zuschauer.

      Joker ist nicht komisch. Ganz und gar nicht, keine Sekunde lang. Und trotzdem gibt es Stellen im Film, die zumindest meinem Saalpublikum, ein Lachen aus der Kehle entlocken konnten, wobei ich aber nicht einordnen konnte, ob es sich denn nun um gequältes, zynisches oder verstörtes Gelächter handelte, oder aber doch eher um Fehleinschätzung der Situation an sich. Ich jedenfalls starrte die meiste Zeit einfach nur entrüstet oder schockiert auf die Leinwand. Sowas sorgt natürlich für Kontroversen, Joker spielt mit unseren Emotionen. Wir müssen zwangsläufig selbst die Grenzen unserer eigenen Moral hinterfragen indem wir darüber nachdenken, ob es in Ordnung ist, mit jemandem mit zu fiebern, der ganz offenbar geisteskrank (wobei geisteskrank vermutlich das falsche Wort ist, der Joker ist sich seiner Taten schliesslich schon bewusst) ist und deshalb anfängt Menschen umzubringen, so unglücklich und traurig die Lebensumstände der Person bis dahin auch gewesen sein mögen.
      Joker spielt auch mit unserer Wahrnehmung, so gibt Handlungselemente, die sich hinterher eindeutig als Halluzinationen bzw. Fantasien in Flacks Kopf offenbaren, was insofern interessant ist, da der Film quasi aus der Ich-Perspektive erzählt ist. Weiterhin gibt es eine Szene in der das Schicksal einer elementaren Figur bewusst im Verborgenen bleibt. Wärend für meine Begleitung klar war, dass die Figur umgebracht wurde, war ich mir da hingegen nicht so sicher. Es bleibt beim Zuschauer das einzuordnen.

      Das Ende des Films ist ironischerweise erstaunlich farbenprächtig und prunkvoll, gänzlich im Kontrast zum gesamten vorherigen Geschehen, welches ausnahmslos düster, trost-/ und farblos inszeniert ist. Der Phönix hat sich endgültig aus der Asche erhoben und betritt nun eine neue Welt.

      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.

      Post was edited 3 times, last by “el_drogo” ().

      Nächste Woche kommt Terminator 6 in die Kinos. Mit Linda Hamilton und Schwarzenegger.

      Also: Der dritte Teil relativierte den zweiten. Der vierte Teil relativierte den dritten. Der fünfte Teil machte Teil zwei bis vier völlig obsolet. (Wenn man es genau nimmt, eigentlich auch weite Strecken des Ursprungsfilmes.)

      Um das Wirr-Warr aufzulösen tritt jetzt auf seine alten Tage James Cameron wieder auf den Plan - und erklärt alles, was in Part 3-5 passierte, als nichtig. Nur wo Cameron drinnen steckt, ist auch Terminator drin.

      Alles klar?

      Ich warte erstmal auf die deutsche Filmkritik (in Österreich hat Arnie Narrenfreiheit, da wurde auch noch der größte Mist als "okay" eingestuft), bevor ich ein letztes Mal Brad Fidels berühmtes Musikthema auf mich einwirken lasse im Kinosaal und nachher bitter bereue, das Geld nicht für einen Low-Budget-Streifen mit Qualität geopfert zu haben.
      Sorry, no dragons in Winterfell!

      Hodor I. Targaryen wählte nach seiner Inthronisierung das neue Motto seines Hauses aus: "Hodor"!

      Post was edited 1 time, last by “ssnake” ().

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