Dies und Das ...

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      Maegwin wrote:

      Warum soll ich eigentlich welche wollen?


      Wegen der bedingungslosen Liebe, die dir diese Geschöpfe entgegenbringen?
      Vernünftig darf man da nicht denken. Da spricht Vieles gegen Kinder. In Großstädten schon mal die Finanzen. Wenn man den Anspruch hat, dass jedes Familienmitglied ein eigenes Zimmer braucht, bringt einen das dort schnell dem Ruin nahe. Die körperliche Belastung am Anfang. Die ständige emotionale Belastung. Äußere Umstände in Umwelt und Politik. ... Was ich nicht gelten lasse, sind so Argumente wie: "Die Gesellschaft will mir das aufzwingen. Ich will meine Freiheit genießen und Party machen, wann immer ich will."
      Ich persönlich wollte einfach immer Kinder haben. Jemanden haben, an den ich etwas von mir weitergeben kann. Und die Hoffnung, dass sie sich auch ab und an mal bei mir blicken lassen, wenn ich alt und gebrechlich bin. Ich sehe es jetzt an den Schwiegis: Die sind um die 80 rum. Sämtliche Freunde/Geschwister sind inzwischen entweder gestorben oder selbst nicht mehr mobil. Sie selbst sind auch eingeschränkt. Wir sind die einzigen, die sie noch haben (mein Mann ist Einzelkind).
      "Many that live deserve death. And some that die deserve life. Can you give it to them? Then do not be too eager to deal out death in judgement. For even the very wise cannot see all ends.” - J.R.R.T.
      Ich habe zwar selbst einen Sohn und war auch immer gerne Mutter (bis er dann mit 12/13 vollkommen ausgerastet ist, da habe ich gedacht, hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mir das doch alles anders überlegt), aber was für einen selbst richtig ist, muss für andere noch lange nicht stimmig sein. Bei unserem Hauptproblem Überbevölkerung müsste es eigentlich mehr Leute wie Maegwin geben. Und ob Kinder sich später immer um einen kümmern (können), ich weiß es nicht und finde, da darf man sich auch nicht drauf verlassen. Es gibt ja auch familiäre Zerwürfnisse mit Kontaktabbrüchen, das kann man sich bei so kleinen putzigen Kindern noch nicht so vorstellen. Wenn mein Sohn doch noch mal die Kurve für sich kriegt, dann muss er sich um seine (lange liegengebliebenen) Angelegenheiten kümmern und nicht um seine alte Mutter, das kann ich gar nicht verlangen. Und selbst, wenn jemand dauerhaft Party machen wollte, kann ich persönlich das doof finden, in einer freiheitlichen Gesellschaft ist das aber sein gutes Recht, wenn er sonst seinen Verpflichtungen nachkommt, für sich selbst Geld verdient, seine Steuern zahlt, Vorsorge betreibt.

      Ich bin in einem Alter, in dem das Thema "Kinder" sowieso durch ist, kenne aber auch Leute, die keine haben und wollten/wollen, einige doch auch jünger. Erfrischend finde ich dabei, dass die logischerweise auch keine Enkelkinder haben. Wenn man sich mit denen unterhält, geht es einfach um einen selbst und die Dinge, die man so macht. Hingegen habe ich eine Freundin, die voll in ihrer Rolle als mittlerweile dreifache Oma aufgeht. Wenn sie mich besucht, erzählt sie bereits im Treppenhaus, bevor sie meine Wohnung überhaupt erreicht hat, was die Enkelkinder schon wieder Tolles gemacht haben. Ich habe nur den Ältesten davon mal mit vier Monaten und einem Jahr gesehen, die anderen beiden noch nie! Naturgemäß interessieren mich deren Taten nicht so sehr. Und so wie es gerade aussieht, werde ich wohl keine Enkelkinder haben. Aber ich kann mir momentan auch gar nicht vorstellen, eine rührend bemühte Oma zu sein mit Babysitten und dem ganzen Krempel. Ich arbeite und habe mich zehn Jahre lang (als er anfing, so extrem schwierig zu werden) und unter deutlichen wirtschaftlichen Einbußen mit meinem Sohn abgemüht, und von dem Schock habe ich mich immer noch nicht ganz erholt. Außerdem lebt meine Mutter noch, irgendwann werde ich mich mehr um sie kümmern müssen, gelegentlich stehen ja schon Hol- und Bringefahrten zu ärztlichen Untersuchungen an. Da kann ich beim besten Willen kein Enkelkind gebrauchen.
      aber das fällt vermutlich nicht unter das, was du als vernünftig bezeichnen würdest.


      :)

      Korrekt.

      Ich kann durchaus nachvollziehen, dass es erst mal unvernünftig erscheinen mag, am Status quo etwas zu ändern, wenn man glücklich und zufrieden mit der gegenwärtigen Situation ist.


      Da ich mir nun einbilde, Maegwins Intellekt als deutlich "ausgereifter" (ums mal vorsichtig auszudrücken) einschätzen zu können, als jenen meiner Cousine, frage ich mich halt was ihre Begründung hierfür sein mag.


      Gerade Akademikerinnen möchten mit einer völlig überdurchschnittlichen Quote von 30 % keine Kinder haben. Bei denen, die strengwissenschaftlich arbeiten, ist es sogar die fast die Hälfte.

      Da kommen sicher unterschiedliche Faktoren zusammen. Mit dem Bildungsgrad sinkt normalerweise die Bereitschaft sich auf Emotionen zu verlassen, das zeitliche Investment in die berufliche Karriere will nicht verschwendet werden und ein angesehener Beruf und guter Verdienst machen zufrieden (genug um nichts zu ändern).

      Der Unterschied hierbei ist halt, dass du dir ein Haustier oder eine neues Auto theoretisch auch mit 60-70-80 oder 90 noch zulegen könntest.


      Der Unterschied ist aber auch, dass ich ein Haustier oder ein neues Auto bei Nichtgefallen wieder loswerden kann!

      Ich habe ein paar Freundinnen und Arbeitskolleginnen die so ehrlich sind zu sagen, dass sie ihre Kinder zwar sehr lieben aber die Entscheidung so nicht noch einmal treffen würden. Und dann?

      Die Vor-und Nachteile betrachtet würde ich es übrigens nach unserem aktuellen gesellschaftlichen und medizinischem Stand als Mann noch für vernünftig halten, Kinder zu bekommen. Leg also ruhig los. ;)
      Für Frauen überwiegen wegen ein paar geschlechtsspezifischen zusätzlichen Problemen dann doch die Nachteile.


      Wenn also deine Beweggründe rein Vernunft-basiert sind, denke habe ich meine Antwort bereits und du musst dir nicht die Zeit nehmen noch weiter auszuholen.


      Das ist bei mir immer aneinandergekoppelt. :)
      Ich würde mich niemals in einen Mann verlieben den ich für dumm halte, also verliebe ich mich auch gar nicht in die erst Vorstellung einer Mutterschaft, die ich für unvernünftig halte. Ich muss dazu genauso wenig Gefühle niederringen wie plötzliche Liebe zu meinem Busfahrer. Der sicher ein dufter Kerl ist - für jemanden anderen.
      Es ist nur einfach nichts da.

      Wegen der bedingungslosen Liebe, die dir diese Geschöpfe entgegenbringen?


      Ich liebe nicht bedingungslos und möchte nicht bedingungslos geliebt werden.
      Das klingt nach Dschinns und letzten Wünschen und ausweglosen Abhängigkeiten. :)

      Ich schreibe heute Abend noch was.
      I have been despised by better men than you.

      Hildegunda wrote:

      Und ob Kinder sich später immer um einen kümmern (können), ich weiß es nicht und finde, da darf man sich auch nicht drauf verlassen.


      Nein, darf man nicht. Ich denke aber, dass bei einem Großteil die Familienbande doch noch einigermaßen intakt sind. Zumindest scheint mir das in unserem Umfeld so. Ausnahmen kenne ich aber auch.

      Maegwin wrote:

      Gerade Akademikerinnen möchten mit einer völlig überdurchschnittlichen Quote von 30 % keine Kinder haben. Bei denen, die strengwissenschaftlich arbeiten, ist es sogar die fast die Hälfte.


      Vielleicht sollte aber gerade diese Gruppe mehr Kinder in die Welt setzen und nicht die anderen?
      Wobei ich in meinem Umfeld die Beobachtung machen musste, dass gerade Akademikerinnen (Ingenieurinnen, Lehrerinnen, Zahnärztin, Professorin, Biologin ....) sogar noch eher die Großfamilien ab 3 Kindern gegründet haben.

      Maegwin wrote:

      Ich liebe nicht bedingungslos und möchte nicht bedingungslos geliebt werden.

      Sagen wir es einmal so: Ich liebe meine Kinder bedingungslos. Einfach nur, weil sie da sind. Es sind meine Kinder, die ich zur Welt gebracht habe. Und die ständige Sorge um sie macht mich manchmal wahnsinnig. Ich war nie ein besonders emotionaler Mensch. Seit der Geburt meines Großen hat sich das schlagartig geändert. Ich hoffe allerdings nicht, dass sie mich bedingungslos lieben. Ich hoffe, dass sie mich lieben, weil ich ihnen eine gute Mutter bin und sie meine Liebe zu ihnen spüren.

      Und ja, ich kenne den Gedanken auch, dass ich das alles manchmal anzweifle. Dass ich mir nicht sicher bin, was ich den Kindern damit angetan habe, sie in diese Welt gesetzt zu haben.
      "Many that live deserve death. And some that die deserve life. Can you give it to them? Then do not be too eager to deal out death in judgement. For even the very wise cannot see all ends.” - J.R.R.T.

      Post was edited 1 time, last by “Narannia” ().

      Vielleicht sollte aber gerade diese Gruppe mehr Kinder in die Welt setzen und nicht die anderen?


      Sie "soll" also "wollen"?

      Beine breit und denk an England?

      Möchtest du uns zwingen? :huh:

      Irgendwie finde ich die Aussage so ganz ohne Kontext kurios bis fragwürdig. Wäre fein, wenn du da noch etwas dazu sagst weil es vermutlich nicht so gemeint war. Selbstverständlich kann und sollte z.B. der Staat bessere Voraussetzungen für junge Familien schaffen, aber ob der positive Anreiz ausreicht bleibt als aller höchstpersönliche Entscheidung jedem selbst überlassen. Sonst weiß ich nicht, was ich mit dem Wort "soll" anfangen soll.

      Was ich nicht gelten lasse, sind so Argumente wie: "(..)Ich will meine Freiheit genießen und Party machen, wann immer ich will."


      Warum lässt du das nicht gelten?

      Jemanden haben, an den ich etwas von mir weitergeben kann.


      Ich verstehe das Bedürfnis gut, in der Welt irgendeine Art von Fußstapfen zu hinterlassen. Für die meisten Menschen ist die Vorstellung, dass es nach ihrem Tod sein wird, als ob sie nie existiert hätten nicht besonders gut verträglich.

      Allerdings geben wir ununterbrochen etwas von uns an andere weiter, indem wir einfach tagtäglich mit ihnen interagieren. Es ist nicht möglich mit einem anderen Menschen zu kommunizieren ohne in sein Weltbild einzufließen. Selbst wenn es nur als "freundliches oder grimmiges Gesicht in der Menge" ist.
      Und ich behaupte mal, dass ein Tesla oder ein namenloser Arzt dabei meist mehr Wumms in der Erdgeschichte hinterlässt, als eine Familie mit drei Kindern auf jeweils lebenslanger Sozialleistung.
      Mozarts Urururopa ist genauso anonymer, irrelevanter Friedhofsmatsch wie es Mozarts Ururenkel gewesen wären - wenn seine Linie nicht sowieso mit seinen Söhnen geendet hätte. Wenn man seiner Existenz Bedeutung verleihen möchte, wird man es schon selbst anpacken müssen statt sie auf mögliche Nachkommen abzuwälzen oder sie in den eigenen Vorfahren zu suchen.

      Ich glaube jedenfalls nicht, dass "Kinder" die richtige Lösung für "ich möchte nicht sterben" ist. Das sieht man daran, dass das Problem immer lediglich eine Generation weitergeschoben wird. :)


      Sagen wir es einmal so: Ich liebe meine Kinder bedingungslos. Einfach nur, weil sie da sind. Es sind meine Kinder, die ich zur Welt gebracht habe. Und die ständige Sorge um sie macht mich manchmal wahnsinnig. Ich war nie ein besonders emotionaler Mensch. Seit der Geburt meines Großen hat sich das schlagartig geändert. Ich hoffe allerdings nicht, dass sie mich bedingungslos lieben.


      Ich habe mir schon gedacht, dass eher du die bedingungslos Liebende bist. :)
      Was (ich weiß, dass du es selbst anders empfindest) von außen nicht wirklich nach Werbung klingt.

      Und die Hoffnung, dass sie sich auch ab und an mal bei mir blicken lassen, wenn ich alt und gebrechlich bin.

      Es gibt ja auch familiäre Zerwürfnisse mit Kontaktabbrüchen, das kann man sich bei so kleinen putzigen Kindern noch nicht so vorstellen.


      In meinem Freundeskreis gibt es in etwa eine intakt gebliebene Familie auf acht - rund die Hälfte davon hat kaum noch oder keinen Kontakt mehr zum Vater. Ich selbst habe den Kontakt zu diesem meiner beiden "bedingungslos geliebten Elternteile" reuelos vor ungefähr 15 Jahren abgebrochen.
      I have been despised by better men than you.
      @Cethleann Glückwunsch zu dem Mut diesen Schritt zu wagen. Ich hoffe, dass du dich nun wohler in deiner Haut fühlst. Mir selbst fehlt auch vollkommen die Perspektive wie es sein muss mit solchen inneren Konflikten beladen zu sein, wünsche dir aber alles Gute, dass dieser Schritt für dich der richtige sein wird.
      Da dir in diesem schönen Forum viel Zuspruch bereits zukam möchte ich aber noch der Vollständigkeit den mahnenden Part übernehmen auch wenn du es selbst natürlich schon weißt: das Leben da draußen besteht nicht nur aus dem Internet mit seinen teils verständnisvollen Gemeinden, Filterblasen und Echokammern. Es werden sicherlich auch viele Steine in deinem Weg liegen und du wirst den ein oder anderen Ben Shapiro treffen, der sich über dich lustig macht, wenn du auch öffentlich zu nun neuen Identität stehst. Sollte dich das davon abhalten zu dir selbst zu stehen? Natürlich nicht, keineswegs. An die Intoleranten dieser Welt sollte man sein Handeln nicht ausrichten. Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Kraft diesen Weg weiter zu gehen. Du scheinst ja schon die richtige Unterstützung gleichgesinnter gefunden zu haben.
      Folgenden Wortwitz muss ich an dieser Stelle noch verlinken:


      @Maegwin und Dreenan: Herzlichen Glückwunsch.
      Darf ich fragen ob ihr ein sakramentales Eheband geschlossen oder lediglich beim Standesamt einen Verwaltungsakt vollzogen habt (oder beides)? :)
      "Not every man has it in him to be Prince Aemon the Dragonknight." -Wyman Manderly

      Ceterum censeo Casimirem esse delendum.

      Narannia wrote:

      Was ich nicht gelten lasse, sind so Argumente wie: "Die Gesellschaft will mir das aufzwingen. Ich will meine Freiheit genießen und Party machen, wann immer ich will."


      Mit Verlaub, das ist Quatsch. Einer der ultimativen Faktoren, sich gegen Kinder zu entscheiden, ist nunmal persönliche Freiheit. Das hat auch nix mit Party zu tun, sondern mit der Vorstellung, wie man als Mensch seine Freizeit neben Beruf und unliebsamen Sachen wie Putzen gestalten möchte. Urlaub nach Afrika, mit nem Glas Wein einfach auf der Couch lümmeln, spontan ins Theater oder n kleiner Wochendtrip, ... es gibt so viel, was man schönes tun kann, aber mit Kindern nur eingeschränkter funktioniert. Ein Kind muss morgens vor der Schule fertig gemacht werden, es braucht Frühstück, es braucht Hilfe bei den Hausaufgaben. Und da reden wir bereits von nem älteren Kind, das sich sehr wohl auch Mal ne Weile allein beschäftigen kann. Sind sie jünger, brauchen sie noch mehr Zeit.
      Auch spaßige Dinge wie putzen, Wäsche waschen (Oh, wie schön, Kacke! Moment, wo kommt der Sand her?), etc. nehmen radikal an Aufwand zu, sobald auch nur ein Würmchen da ist. Das ist einfach so und dauert Jahre bis das wieder abnimmt. Wenn das jemand nicht will, ja na und? Warum nicht? Es ist sehr wohl ein Argument gegen Kinder, wenn ich statt mit Bauklötzen zu spielen, lieber ein Buch lesen will und zwar eins mit wenig Bildern.

      Interessant ist auch, dass vorzugsweise Damen gefragt werden, warum sie keine Kinder wollen. Bei Herren wird das akzeptiert, meist ganz ohne Nachfrage.
      Damen werden auch gerne ab Ende 20 zu "passenden" Gelegenheiten gefragt, wann denn die Fortpflanzung geplant ist, es wird langsam Zeit. Ticktack. Mein Partner hingegen ist 30 und wurde bisher einmal gefragt, ob da für irgendwann einmal in weiter Zukunft überhaupt irgendwas geplant ist. Kein Ticktack, keine Wiederholungen dieser Situation.
      Es lässt sich halt kaum bestreiten, dass das gesellschaftliche Rollenbild sehr wohl diktiert, wer Kindererziehung als Lebensaufgabe sehen soll (Frau) und wer nicht (Mann). Das muss man nicht klein reden.

      Maegwin wrote:

      Für Frauen überwiegen wegen ein paar geschlechtsspezifischen zusätzlichen Problemen dann doch die Nachteile.
      Also den Teil (ich vermute mal, du meinst den Teil mit Mama sein, eine gewisse Zeit zuhause zu bleiben, auf der Karriereleiter abgehängt zu werden und dann irgendwann in Teilzeit rumzukrebsen) habe ich dann mal an meinen Mann abgeschoben. Ich bin jeweils etwa 8 Monate (geplante, wenn auch nicht bei beiden so funktionierte Stillzeit) zuhause geblieben und den Rest der jeweils (damals noch) 3 Jahre, hat mein Mann Elternzeit gemacht. Da wir uns dazu entschieden haben, uns lieber finanziell einzuschränken, als die Jungs den ganzen Tag in Kita oder OGS zu belassen (wobei ich aber die meisten Leute verstehen kann, die sich anders entscheiden), ist mein Mann auch die folgende Zeit als Hausmann zuhause geblieben. Erst seit einigen Jahren hat er dann so langsam mit Minijobs angefangen und arbeitet jetzt Teilzeit als Altenbetreuer. Und natürlich geht es ihm genauso, wie sonst den Müttern. Aufgrund der langen Fehlzeit hat er den Anschluß im Beruf verloren und als Elektriker stellt ihn niemand ein.

      In meinem Freundes- und Bekanntenkreis sind durchaus einige Paare, die keine Kinder haben, teils weil nicht gewollt, teils weil nicht geklappt. Und ja... manchmal bin ich ein klitzekleines bisschen neidisch, wenn ich in ihre topgepflegten, schick renovierten Häuser komme (hier ist Chaos und dreißig Jahre alt und mit dem Pflegezustand hapert es auch ein bissl... :whistling: ) oder wenn ich die tollen Statusbilder aus dem Urlaub sehe. Aber verzichten würde ich auf meine Jungs trotzdem nicht wollen. Ich wollte eigentlich immer Kinder. Heiraten hätte nicht unbedingt dazu gehört, aber Kinder definitiv. Und als um die 30 die gute alte biologische Uhr tickte und sich ein passender Kindsvater nicht blicken lassen wollte (hatte eine recht lange Solo-Phase), war ich schon fast soweit wild f...d durch die Gegend zu laufen, bis ich endlich schwanger bin. Hab ich dann aber doch gelassen. :D

      Allerdings hab ich mich auch ordentlich ausgetobt und erst mit 37 und 40 die Jungs bekommen. Hab ich es bereut? Nee, nicht wirklich. Klar, es gab Situationen, wo ich mit dem Gedanken gespielt habe, sie Hänsel und Gretel-mäßig im Wald auszusetzen. Aber die waren doch sehr kurz. ^^

      Ich würde aber niemanden einen Vorwurf machen, der keine Kinder will. Ganz egal aus welchem Grund. Kinder sind eine große Verantwortung und Kosten viel Zeit und Kraft und ja... auch Geld. Und wenn jemand das nicht will, ist das voll in Ordnung. Jeder so, wie er sich glücklicher fühlt. :)
      Something about the howling of a wolf took a man right out of his here and now and left him in a dark forest of the mind running naked before the pack.

      A Game of Thrones, Tyrion I

      The Dragonknight wrote:

      Da dir in diesem schönen Forum viel Zuspruch bereits zukam möchte ich aber noch der Vollständigkeit den mahnenden Part übernehmen auch wenn du es selbst natürlich schon weißt: das Leben da draußen besteht nicht nur aus dem Internet mit seinen teils verständnisvollen Gemeinden, Filterblasen und Echokammern. Es werden sicherlich auch viele Steine in deinem Weg liegen und du wirst den ein oder anderen Ben Shapiro treffen, der sich über dich lustig macht, wenn du auch öffentlich zu nun neuen Identität stehst.


      Ben Shapiros will ich natürlich nicht begegnen, aber Angst habe ich auch davor, sogenannten Transmedicalists zu begegnen. Wie sehr man unter dem Trans sein leidet, ist ein Spektrum und Transmedicalists sind Trans Personen, die diejenigen, die nicht genug darunter leiden als Transtrender und unecht ansehen. Ich würde wahrscheinlich nicht den Ansprüchen eines Transmedicalist genügen, da ich von einigen negativen Erfahrungen gelesen habe, die mir völlig fremd sind, wie nur mit geschlossenenen Augen Duschen zu können, weil der Anblick des eigenen Körpers absolut unerträglich ist. In der Begegnung mit einem Transmedicalist würde ich mich wahrscheinlich gar nicht trauen, Gegenworte zu erheben, weil die andere Person mit Fug und Recht behaupten kann, dass sie es schwerer hatte als ich. Aber da es es auch innerhalb der Trans-Community ein Großteil Transmedicalists eher mit Abneigung sieht, sollte ich mich wohl in so einem Fall nicht abgeschreckt fühlen.
      Hört sich nach einem nicht sonderlich sympathisch klingenden Menschenschlag an, auf solche würde ich also nichts geben.
      Erinnert mich ein wenig daran wie ich als Jugendlicher mich für ein soziales Projekt aktiv engagiert habe bei dem armen Kindern in einem armen Bundesstaat Brasiliens ermöglicht wurde die Schule zu besuchen.
      Bei einem Treffen aller ähnlichen Projekte der Umgebung bei dem diese auch vorgestellt wurden, war auch eine Frau die ihr Hilfsprojekt in Afrika vorgestellt hat und sich dabei unter anderem über unsere Brasilienhilfe lustig gemacht hat, als sie die Bilder aus Brasilien sah, weil das ja "keine richtigen Armen" wären und quasi damit geprahlt hat, dass sie selbst ja die bemitleidenswertesten Menschen unterstützt.
      Seltsames Denken.
      Vergleich hinkt natürlich wieder, aber anderen etwas abzusprechen (die Hilfebedürftigkeit oder den inneren Konflikt als Transperson) nur weil es Leute gibt, die mehr leiden, halte ich schon für ziemlich grotesk.
      "Not every man has it in him to be Prince Aemon the Dragonknight." -Wyman Manderly

      Ceterum censeo Casimirem esse delendum.
      Also den Teil (ich vermute mal, du meinst den Teil mit Mama sein, eine gewisse Zeit zuhause zu bleiben, auf der Karriereleiter abgehängt zu werden und dann irgendwann in Teilzeit rumzukrebsen) habe ich dann mal an meinen Mann abgeschoben. Ich bin jeweils etwa 8 Monate (geplante, wenn auch nicht bei beiden so funktionierte Stillzeit) zuhause geblieben und den Rest der jeweils (damals noch) 3 Jahre, hat mein Mann Elternzeit gemacht. Da wir uns dazu entschieden haben, uns lieber finanziell einzuschränken, als die Jungs den ganzen Tag in Kita oder OGS zu belassen (wobei ich aber die meisten Leute verstehen kann, die sich anders entscheiden), ist mein Mann auch die folgende Zeit als Hausmann zuhause geblieben. Erst seit einigen Jahren hat er dann so langsam mit Minijobs angefangen und arbeitet jetzt Teilzeit als Altenbetreuer. Und natürlich geht es ihm genauso, wie sonst den Müttern. Aufgrund der langen Fehlzeit hat er den Anschluß im Beruf verloren und als Elektriker stellt ihn niemand ein.



      Ich denke ein sehr wichtiger Punkt ist, dass du in einer äußerst partnerschaftlich gehaltenen Beziehung lebst und ihr all diese Entscheidungen zusammen getragen habt. Aber bei einer Scheidungsquote von einem Drittel ist dieser längst keine Gewissheit mehr.

      Statistischer Klassiker:

      Mann und Frau lernen sich im gleichen Studienjahrgang kennen und heiraten. Als sie beide fünfunddreißig sind und Frau beruflich erstmal gut etabliert kommt das erste Kind, dann das zweite und noch ein drittes. Sie sind finanziell gut aufgestellt und möchten das so.
      Frau bleibt entweder ganz daheim oder arbeitet kleine Teilzeit weil sich mehr zur Zeit einfach nicht lohnt - sie möchte wieder arbeiten, sobald das Nesthäkchen in die Grundschule geht.
      Mit fünfundvierzig wenn die Beziehung etwas schal geworden ist und Mann am Höhepunkt seines beruflichen Erfolgs steht, tauscht er Frau gegen eine zehn bis fünfzehn Jahre Partnerin aus, mit der er ein weiteres Kind bekommt.

      Ergebnis:

      Mann:
      Mann arbeitet Vollzeit, ist in frischer Ehe, hat ein Kind auf das er seine Fürsorge konzentriert. Die anderen drei sieht er entsprechend der Umgangsregelung jedes zweite Wochenende. Die neue Ehegattin und nunmehr vier Kinder dürfen sich unterhaltsrechtlich den Rest des Gehalts teilen, den er nicht für sich als Selbstbehalt braucht. Und der Selbstbehalt ist ein sehr großzügiger Betrag.

      Frau:
      Da das jüngste Kind älter als drei ist, ist Frau nach zehnjähriger Pause verpflichtet plötzlich alle Kinder in Ganztagsbetreuung zu geben und Vollzeit arbeiten zu gehen. Nach Feierabend darf sie drei Kinder und den Haushalt versorgen. Da ihre Urlaubstage und Befreiungen gerade mal reichen um den Sommerurlaub der Krippe zu überbrücken und die Kinder ein mal zu oft Grippe hatten, muss sie unbezahlten Urlaub nehmen um sie zu pflegen.
      Eine Beziehung ist nicht in Sicht, weil sie weder Zeit für die Partnersuche hat, noch ihre Lage für einen potentiellen Partner in irgendeiner Weise attraktiv ist.



      Ich bin doch nicht wahnsinnig. :huh:

      Das wohlgemerkt keine Herrenschelte sein - es ist nur eine Schelte der derzeitigen gesetzlichen Regelungen.
      I have been despised by better men than you.

      Esmeralda wrote:

      Kinder sind eine große Verantwortung und Kosten viel Zeit und Kraft und ja... auch Geld.

      Der Trick ist doch steuerlich nicht nur vom Kinderfreibetrag zu profitieren, sondern die Kinder als Gewerbe noch einmal von der Steuer abzusetzen:
      Gewerbe zur Aufzucht von Säugetieren
      Außerdem sollte man versuchen aus dem Kindergeld ein Profitgeschäft zu machen. Also am besten mit den Kindern so schöne miefige Kneipen besuchen, wo es gratis Erdnüsse gibt und sie damit durchfüttern. *andieSchläfetipp*
      "Not every man has it in him to be Prince Aemon the Dragonknight." -Wyman Manderly

      Ceterum censeo Casimirem esse delendum.
      @Maegwin
      In deiner Auflistung vermisse ich noch die mickrige Rente der Frau, weil Teilzeit oder Vollzeitmutter.

      Es wird bei Familienkonstrukten, bei denen ein Elternteil (egal welches Geschlecht) Jahre lang daheim bleibt, gerne vergessen, dass das Geld verdienende Elternteil vom Einkommen einen Teil abknapsen und in die Altervorsorge des Nichtarbeitenden Elternteils einzahlen sollte. Bei Trennung ist der Nicht-bis-wenig-arbeitende Part ansonsten zu Rentenbeginn in einer finanziellen Bredouille.
      Ich habe auch andere Details wie die berufliche Leistungsfähigkeit und damit verbundene Aufstiegschancen weggelassen.

      Ich glaube ich hatte im Musikthread kurz angeschnitten, dass ich bis Januar ein halbes bis ein Jahr an einem Projekt gearbeitet habe. Bis sehr spät abends und auch an Wochenenden. Und wenn die nächste Beförderungsrunde kommt, lasse ich mich dafür sicher nicht mit "wohligen Emotionen" entschädigen.

      Wenn ich daneben noch ein oder zwei Krümelchen versorgen müsste und ebenso viel Zeit reingesteckt hätte, wären entweder sie beim Jugendamt oder ich auf einer geschlossenen Abteilung in einer schicken weißen Jacke gelandet.
      I have been despised by better men than you.

      Maegwin wrote:

      Ich denke ein sehr wichtiger Punkt ist, dass du in einer äußerst partnerschaftlich gehaltenen Beziehung lebst und ihr all diese Entscheidungen zusammen getragen habt. Aber bei einer Scheidungsquote von einem Drittel ist dieser längst keine Gewissheit mehr.
      Natürlich. Und bin auch sehr froh darüber, dass wir das partnerschaftlich diskutiert und beschlossen haben.
      Mein Vater, so lieb er sonst war, hätte sowas sicherlich nicht gemacht. Er war damals schon wenig begeistert vom Vorschlag meiner Ma, die Steuerklassen zu tauschen, weil am Ende des Monats so mehr übrig bleiben würde. Geht doch nicht, dass er als Mann die schlechtere Steuerklasse hat...
      Und zu meinem Mann muss ich dann ja auch noch sagen, dass er lustigerweise nie ein "Wie, du bist nur Hausmann?" zu hören bekommen hat, sondern eher ein "Das ist sicher anstrengend..." (Außer natürlich von den kompletten Vollpfosten, die meinten, dass er gar kein vollwertiger Kerl sei...)

      Maegwin wrote:

      Das wohlgemerkt keine Herrenschelte sein - es ist nur eine Schelte der derzeitigen gesetzlichen Regelungen.
      Ich bin da ganz bei dir und kenne auch da die ein oder andere Frau, der es recht ähnlich gegangen ist. Das ist schon sehr sehr ungerecht.

      The Dragonknight wrote:

      Der Trick ist doch steuerlich nicht nur vom Kinderfreibetrag zu profitieren, sondern die Kinder als Gewerbe noch einmal von der Steuer abzusetzen:
      Gewerbe zur Aufzucht von Säugetieren
      Außerdem sollte man versuchen aus dem Kindergeld ein Profitgeschäft zu machen. Also am besten mit den Kindern so schöne miefige Kneipen besuchen, wo es gratis Erdnüsse gibt und sie damit durchfüttern. *andieSchläfetipp*
      Verdammt! Hättest du das nicht früher sagen können? Die sind ja jetzt schon zu alt für das Geschäftsmodell... :S

      Maegwin wrote:

      Und wenn die nächste Beförderungsrunde kommt, lasse ich mich dafür sicher nicht mit "wohligen Emotionen" entschädigen.
      Und das mit Recht!
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      A Game of Thrones, Tyrion I
      Natürlich. Und bin auch sehr froh darüber, dass wir das partnerschaftlich diskutiert und beschlossen haben.
      Mein Vater, so lieb er sonst war, hätte sowas sicherlich nicht gemacht. Er war damals schon wenig begeistert vom Vorschlag meiner Ma, die Steuerklassen zu tauschen, weil am Ende des Monats so mehr übrig bleiben würde. Geht doch nicht, dass er als Mann die schlechtere Steuerklasse hat...
      Und zu meinem Mann muss ich dann ja auch noch sagen, dass er lustigerweise nie ein "Wie, du bist nur Hausmann?" zu hören bekommen hat, sondern eher ein "Das ist sicher anstrengend..." (Außer natürlich von den kompletten Vollpfosten, die meinten, dass er gar kein vollwertiger Kerl sei...)



      Hier liegt definitiv ein Generationenkonflikt vor, aber ich habe zumindest das Gefühl, dass sich alles langsam zum Besseren wendet.

      Als die Elternzeit neu etabliert wurde und befreundete oder bekannte Frisch-Papas mehr als die obligatorischen drei Monate mit ihrem Nachwuchs nehmen wollten, mussten sie gerade seitens älterer Vorgesetzter und dämlicher Kollegen ebenfalls Dreck fressen.
      Und das obwohl nach dem derzeitigen (jungen) Forschungsstand diese erste Mehrzeit des Vaters mit dem Kind praktisch das Beste ist was einer jungen Familie passieren kann.
      Ich freue mich wirklich wie ein Schnitzel, dass die Arbeitskollegen jetzt beim zweiten oder dritten Kind sichtlich ein bisschen mutiger werden und längere "Familienzeiten" beantragen.

      Und ich empfinde allerhöchsten Respekt vor "Pionieren" auf solchen Gebieten - wie deinem Mann.
      I have been despised by better men than you.
      Das ändert sich wirklich aktuell n bissl mit den Vätern und der Elternzeit.
      Von den Kollegen auf Arbeit bekomme ich zwar häufig eher mit, dass die Mütter weiterhin ein Jahr weg sind, die Väter zwei Monate. Das scheint aber eine verschobene Wahrnehmung meinerseits zu sein.
      Als ich die Woche der Personalsachbearbeiterin mitteilte, dass ich selbst gedenke, "nur" sieben Monate, inkl. Mutterschutz zu Hause zu bleiben und dann der Vater übernimmt, kam erfreulicherweise keinerlei Reaktion, das seie unüblich oder so. Scheint also häufiger vorzukommen als von mir gedacht.
      Und der künftige Papa hier freut sich schon auf März, wenn er dann sieben Monate mit dem Küken daheim sein kann. :)