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      Tana French - In the Woods
      Ein Krimi, der in Irland spielt, der erste Teil der "Dublin Murder Squad"-Reihe. Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen und auch die Charaktere fand ich zumindest zu Beginn sehr überzeugend, vor allem Cassie. Durch diese beiden Punkte (nicht so sehr durch den Inhalt, d.h. den aktuellen Fall, der gut, aber nicht außergewöhnlich ist) war das Buch ein absoluter Pageturner für mich. Etwa nach der Hälfte war ich daher sehr überzeugt, dass ich das Buch sehr gut bewerten würde.
      Leider gab es aber später Punkte, die ich nur okay bis sogar schlecht fand (massive Spoiler):
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      Die Auflösung des Hauptfalles war okay, aber nichts besonderes und vor allem nicht sehr überraschend in ihren Grundzügen (in den Details sicherlich schon!). Die Darstellung der Ermittlung und wie sie sich entwickelt hat, hat mich mehr überzeugt als die Auflösung. Dass die Hintergrundgeschichte nicht aufgelöst wurde, hat mich nicht besonders gestört, das hat eher zum Realismus beigetragen. Ich kann aber auch verstehen, dass das für andere eine große Enttäuschung war, denn dramatisch ist das natürlich eine gewagte Entscheidung. Was mich aber gegen Ende besonders gestört hat war der Hauptcharakter. Spätestens nachdem man er mit Cassie geschlafen hat, merkt man, dass er ein ziemliches Arschloch ist (man hätte das vorher schon erahnen können) und während mir klar ist, dass er bewußt unsympathisch gezeichnet wird (das wird recht explizit im Text erwähnt), hat das meinen Ärger ihm gegenüber nicht besser gemacht und die Freude am Buch durchaus verleidet. Hätte ich einen besonderen Sinn in diesem unsympathischen (und auch unzuverlässigen, aber das war nicht so sehr mein Problem) Erzähler gesehen, so hätte ich mich vielleicht auch geärgert, aber hinterher nach Reflektion darüber das Buch durchaus wertgeschätzt. Den gab es für mich aber nicht wirklich - wenn es da jemand besser erging: Bitte erleuchten. Ich meine, dass er in der Ermittlung viele Fehler macht wegen seinem Trauma und Sachen falsch einschätzt wegen falscher oder verschwommener Erinnerungen - das fand ich durchaus interessant und hat auch einen Sinn. Aber wie er sich den anderen Charakteren gegenüber verhält (Rosalind [er wusste ja dort noch nicht, wie sie wirklich war], Cassie, mit Abstrichen auch einzelnen Verdächtigen und seiner Mitbewohnerin gegenüber, wobei letztere selbst nervig genug gezeichnet wird, dass man es dort nich besonders schlimm findet), war für mich ohne tiefere Bedeutung nervig... (okay, er ist "fucked up" durch sein Trauma, wird nachher eingeschoben - für mich nicht sehr überzeugend)

      Daher bleibe ich dann bei 3/5, werde die Reihe aber sicher weiterlesen, vor allem nachdem ich gelesen habe, dass und wie sich in Buch 2 der Fokus verschiebt.


      Agatha Christie - Five Little Pigs

      Ein Krimi, in dem Poirot in einem 16 Jahre alten scheinbar absolut klaren Mordfall ermittelt. Er nimmt Kontakt zu den damals beteiligten auf, rekapituliert mit ihnen ihre Erinnerungen an die Geschehnisse und löst natürlich am Ende den Fall. Das Konzept finde ich eigentlich interessant, aber während immer wieder Lippenbekenntnisse daran gemacht werden, dass die Erinnerung nach so langer Zeit trügerisch ist, war für mich extrem unglaubwürdig, wie detailliert die Erinnerungen teilweise waren - ich denke, dass man sich nach so langer Zeit nicht nur falsch sondern auch an viel, viel weniger erinnert. Kann man darüber hinwegsehen (fällt mir bei Agatha Christie nie so schwer, weil ich die Fälle fast eher als Puzzle, denn als realistische Geschichte lese), so ist es aber ein schöner Fall mit einem guten Ende.
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      Und ja, ich bin auf den (zu) offensichtlichen Red Herring reingefallen. Zumindest bis er aufgelöst wurde, dann war klar, dass noch was kommen muss.

      3/5
      Ich bin gerade an der Reihe der "Asperischen Magier" dran. Sehr locker flockig geschriebene Urban-Fantasy-Reihe mit liebenswerten Charakteren. Ich hab' da richtig Spaß dran.
      Jetzt warte ich auf den 5ten Teil, der Ende des Monats erscheinen soll. Derweil kann ich beim Reread weitermachen.
      "Many that live deserve death. And some that die deserve life. Can you give it to them? Then do not be too eager to deal out death in judgement. For even the very wise cannot see all ends.” - J.R.R.T.

      Post was edited 1 time, last by “Narannia” ().

      penelope wrote:


      Ich stelle mir vor, dass @Maegwin vielleicht in diesem Stil ein Märchenbuch schreiben würde. :D Das ist als Kompliment gemeint, bitte nicht falsch verstehen.


      =O :)

      Ich habe vor ein paar Tagen den zweiten der neuen Weitseher-Bände beendet und muss zugeben, dass er doch sehr merkliche Fehler hat. Das heimelige Gefühl ist aber so überwiegend und ich habe mich so sehr auf das Weiterlesen gefreut, dass ich mir beinahe Sorgen mache.
      Es ging mir schon neuerdings mit Tad Williams Fortsetzung seiner Saga so, dass sich die Kindheits- und Jugend und Spätjugendgefühle gegenüber den Büchern monumental auf den Lesegenuss ausgewirkt haben, obwohl ich sie mit meiner heutigen Leseerfahrung rational betrachtet nicht mehr als gut empfinde.

      Ich mache mir ziemliche Sorgen, dass die Zeit einfach vorbei ist, bei der ich gegenüber einem Buchi so unbeschwert euphorisch sein könnte. Etwas gar nicht weglegen kann und mag. Zumindest habe ich so etwas schon sehr lange nicht mehr erlebt.
      I have been despised by better men than you.
      Peter Watts - Echopraxia
      Echopraxia spielt in der Welt von Blindsight und ist im Prinzip eine Parallelerzählung. Wie schon in Blindsight gibt es einige fantastische und ungewöhnliche Ideen und Denkanstöße.
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      Etwa: Die Rolle von Gott als Prozess oder Person oder Virus (!) oder auch die prinzipielle Idee, dass man eine Denkrichtung (hier: Wissenschaft + irgendeine Form von Spiritualität durch die Bicamerals) an den Ergebnissen und nicht unbedingt an den Erklärungen messen sollte.

      Leider sind für mich die zentralen Ideen, die verarbeitet werden (alles was mit Religion zu tun hat) deutlich weniger interessant und gleichzeitig finde ich auch das, was dazu gesagt wird größtenteils weniger überzeugend und auch weniger zusammenhängend als noch in Blindsight. Zusätzlich fand ich das stattfindende 3D-Schach zwischen den superintelligenten Lebensformen hier teilweise eine Spur zu extrem, wobei das vermutlich Absicht ist (einerseits soll man die Motivationen nicht 100-Prozent verstehen können, eben weil wir nicht auf dem entsprechenden Level mitdenken können und gleichzeitig soll glaube ich ein Punkt zu Determinismus gemacht werden).
      Weiter fand ich den Hauptcharakter sehr farblos
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      wenn man das Ende miteinbezieht ist das nur folgerichtig und im Nachhinein kann ich das anerkennen, aber es hat eben trotzdem meinen Spaß beim Lesen des Buches beeinflußt

      und fand, dass etwas viele Action-Szenen vorkamen. Der Haupt-Handlungsstrang, der vor allem in der zweiten Buchhälfte stattfindet
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      ab Ankunft auf Icarus

      ist sehr interessant, aber für mein Gefühl hätte man sich vorher manche Sequenzen sparen können. Außerdem ist es nicht gerade einfach, zu verstehen, was wirklich passiert. Das kann man durchaus als Vorteil oder Nachteil sehen, je nachdem wieviel man bereit ist darüber nachzudenken. Wenn man Blindsight gerne mochte, wird man dazu vermutlich sehr bereit sein.
      Klingt jetzt alles recht negativ, aber das Buch hat durchaus immer noch viele der Stärken von Blindsight, vor allem das hervorragende Worldbuilding oder aber wie oben beschrieben das beiläufige Einbringen einger faszinierender Ideen oder Thesen. Ich fand es aber leider aufgrund der aufgezählten Schwächen ein gutes Stück schlechter. 3/5

      Seanan McGuire - Middlegame
      Ein Buch aus dem UrbanFantasy-Bereich mit den beiden zentralen Hauptcharakteren Roger und Dodger, die einerseits Sprache und andererseits das, was die Autorin sich unter Mathematik vorstellt, verkörpern (Ich würde es eher "Zahlen" als "Mathematik" nennen). Die positiven Dinge zuerst: Der Schreibstil ist sehr schön. Die beiden Protagonisten (und ein dritter Charakter später im Buch) und vor allem ihre Beziehung zueinander sind sehr gut gezeichner und es macht Spaß darüber zu lesen. Es gibt eine sehr interessante Idee zum Thema
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      Zeitreisen/Konzept von Zeit.

      Leider konnte mich das Buch trotzdem nicht überzeugen: Der Fantasy-Teil des Worldbuildings ist meiner Ansicht nach völlig absurd und lebt davon, wahllos irgendwelche Buzzwords zu verwenden, die man einfach akzeptieren muss. Bis zum Ende versteht man nicht, was den jetzt genau zu den Fähigkeiten der Protagonisten oder von irgendjemand anderem gehört.
      Dazu passend auch, dass die Autorin offenkundig keine Ahnung von Mathematik hat, was ungünstig ist, wenn einer der Protagonisten die "Verkörperung von Mathematik" sein soll. Witzigster und aussagekräftigster Punkt um das zu illustrieren an der Stelle, als ein Nebencharakter Roger beschreibt (in einem GradSchool-Setting!):
      He's clearly not a mathematician: he doesn't have any of the visible characteristics, the calculators, the geeky T-shirts with their math puns.

      Wer sich vorstellt, dass Mathematiker auf universitärem Level Taschenrechner benutzen geschweige denn ständig einen bei sich haben, der hat sehr wenig verstanden. Aber klar, wenn man "Mathematik" und "Rechnen/Beschäftigung mit Zahlen" verwechselt, macht das schon Sinn. Und diese Verwechslung zieht sich dann eben durch den Rest des Buches.
      Die Antagonisten sind zwar in ihrer Bösartigkeit irgendwie fasznierend (auf dem Level eines absurd überhöhten Comic-Bösewichts), bleiben aber ansonsten absolut charakterlos und ihre Pläne wirr und unverständlich (auch weil man das Setting und was durch Alchemie möglich ist, einfach nicht versteht). Der Plot, vor allem das Ende ist uninteressant und macht viel zu wenig aus dem großen Potential der oben angedeuteten
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      Idee von Zeitreisen bzw. Einfluß auf die Vergangenheit, die "resettet".

      Kann ich leider nicht empfehlen. 2/5

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      Maegwin wrote:



      Ich mache mir ziemliche Sorgen, dass die Zeit einfach vorbei ist, bei der ich gegenüber einem Buchi so unbeschwert euphorisch sein könnte. Etwas gar nicht weglegen kann und mag. Zumindest habe ich so etwas schon sehr lange nicht mehr erlebt.


      Ja, verstehe ich total. Es wird nie wieder so sein, wie beim ersten Mal Harry Potter. *seufz*
      Aber ist doch eigentlich auch gut, dass man sich fortentwickelt. Ich oute mich mal: ich habe in meiner frühen Teenyzeit mit meiner Freundin Groschenromane, Bianca und Julia und was es alles gab gelesen, das würde mir jetzt im Traum nicht mehr einfallen.

      Ich lese manchmal Jugendbücher, die finde ich immer ganz fesselnd, "Erebos" z.B., ist jetzt wirklich auch nichts für den literarischen Anspruch, das fehlt mir dann auch, aber immerhin spannend.

      Im Literaturmagazin im Radio haben sie letztens "IceCream Star" von Sandra Newman sehr gelobt, ich glaube, das schenke ich mir für den Weihnachtsurlaub. Das klingt für mich Dystopienfan ganz gut, hoffentlich nicht zu sehr wie der Übergang von Cronin, sondern etwas gesellschaftskritischer.

      Und: habe letztens im Buchladen "Der Report der Magd" als Comic gesehen. 8o